1

Bin ich schon verrückt – oder ist es Gaslighting?

Gaslighting

Gibt dir manchmal eine Person das Gefühl, dass du nicht in Ordnung bist? Oder musst du dich bei gewissen Menschen ständig für etwas entschuldigen, was du tust oder auch eben nicht getan hast? Es geht noch weiter: Musst du dir von „guten“ Freunden oder Familienmitgliedern ständig Kritik anhören, so dass du lieber gar nichts mehr von dir erzählen willst? Das könnte auf Gaslighting hindeuten.

Ein narzisstisches Machtspiel

Der Begriff Gaslighting steht für ein extrem ungesundes Verhalten. Er basiert auf dem Filmtitel „Gaslight“ (auf Deutsch „Das Haus der Lady Alquist“) von 1944 mit Ingrid Bergman, die für ihre Rolle einen Oscar bekam. Die Hauptdarstellerin wird von ihrem Ehemann durch geschickte Manipulation in den Wahnsinn getrieben, weil er aus Geldgier an ihr Erbe heran kommen will. Unter anderem stellte er das Gaslicht so ein, dass es flackerte, und behauptete aber, dass sie sich täusche. Es würde nicht flackern. Er manipulierte ihre Wahrnehmung mit allen möglichen Mitteln so lange, bis sie an sich selbst zweifelte und dachte, sie sei verrückt.

Das ist natürlich die ultimative Film-Version. Im Alltag begegnen wir diesem Spiel jedoch sehr häufig in abgeschwächter Form. Eine Person, meist jemand den man sehr gut kennt und daher vertraut, beginnt ganz unterschwellig – und oft auch unbewusst – zu manipulieren. Es fängt ganz harmlos an. Am Anfang nimmt man es gar nicht wahr, wenn Aussagen fallen wie:

  • Was hast du da schon wieder gemacht?
  • Was weißt denn du schon?
  • Was denkst du dir dabei?
  • Du kannst doch gar nichts richtig gut machen!

Vielleicht fängt man zu grübeln an, aber möglicherweise hat der Andere ja Recht? Der Partner, der Lehrer, der Kollege, der Chef! Stück um Stück wächst die Unsicherheit, schleichend. Vor allem, wenn es eine Autoritätsperson wie der eigene Vater oder die Mutter war, die das Kind auf diese Weise schon früh beeinflusst hat. Der heranwachsende Mensch wird diesen Umgang als ganz „normal“ erleben und ihn nicht hinterfragen. Die Konditionierung aus dem Elternhaus ist am Anfang eines Erwachsenenlebens ja erst mal die Basis, wie man die Welt sieht. Aber auch Personen, die gern die Verantwortung an andere abgeben, sind ein willkommenes Opfer. Nahrung für den Täter.

Warum verhalten sich Menschen so?

Zunächst: Gaslighting ist ein Wechselspiel. Zu so einer Beziehung gehören immer zwei. Einer, der die Macht ausüben will, und einer, der über sich Macht ausüben lässt. Wie schön sind Komplimente und Schmeicheleien und was tut man nicht alles um „geliebt“ zu werden. Wer das braucht, um sich gut zu fühlen, ist damit zugleich ein potentielles Opfer.

Wer andere erniedrigen muss, um besser dazustehen, um sich so sein Selbstwertgefühl zu holen, ist ein möglicher Täter. Es geht darum beide Seiten der Medaille aufzudecken und zu erkennen. Oft werden diese Rollen unbewusst übernommen und beide sind dabei unglücklich. Täter und Opfer stehen auf dem selben Niveau. Nur hat der eine den aktiven Part gewählt, während der andere geschehen lässt.

Allerdings kann diese Taktik auch bewusst eingesetzt werden, um seinen „Feind“ zu zermürben und ihn außer Gefecht zu setzen. So wie eben in dem namensgebenden Film „Gaslight“.

Was sind die Folgen?

Man vertraut sich selbst nicht mehr, sucht immer erst die Bestätigung der anderen Person und fühlt sich verwirrt. Allergrößte Selbstzweifel drängen sich auf: Bin ich wirklich so doof? Kann ich echt nichts? Es kann in schlimmen Fällen sogar vorkommen, dass die Person in Panikattacken verfällt und Todesängste bekommt. Der Bezug zur Realität geht verloren. Das Selbstvertrauen liegt im Keller und man wird sehr anfällig für weitere Manipulationen. Man hat das Gefühl, es stimmt was nicht, kann es aber nicht begründen. Die Seele verliert ihren Halt.

Erkennen und Aufklärung sind der Ausweg

Gaslighting überhaupt zu erkennen ist die halbe Miete. Wir sind oft wie Junkies und merken gar nicht, dass wir das, was wir tun, brauchen, um uns lebendig zu fühlen. Siehe auch meinen Blogbeitrag Glücksjunkee. Wenn man es sehen kann, dass man sich in solch einer Rolle befindet – und hier meine ich das Opfer und auch den Täter gleichberechtigt auf einer Stufe – dann kann man sich und den anderen besser verstehen und fragen:

  • Was passiert gerade?
  • Warum tue ich das?
  • Warum erlaube ich das?
  • Brauche ich das wirklich in meinem Leben?

In meinem neuen Buch  Denkmuster bestimmen dein Leben (auch als ebook) gibt es im Praxisteil im Kapitel Beziehungen einen sehr ausführlichen Fragenkatalog. Mit diesen wirklich manchmal sehr tiefgehenden Fragen kannst du erkennen, welche Rolle du in deinen Beziehungen spielst. Aktiv oder Passiv? Außerdem biete ich dir mit der E-A-N Methode in meinem Buch ein einfaches Werkzeug an, wie du neue positive Muster in dir aufbauen kannst.

Mit dem „Nothilfezettel“ im Anhang des Buches kannst du deiner Sucht nach Anerkennung oder nach Machtgefühl mit einem Sofort-Entzug begegnen. Und zwar immer dann, wenn du merkst da stimmt was nicht…

Solltest du meine Bücher bereits kennen, dann würde ich mich sehr über deine Meinung freuen. Auch bei Fragen stehe ich dir unten in den Kommentaren gern zur Verfügung.

Blogartikel auf YouTube

Comments 1

  1. Pingback: Dein Gewissen ist der Kompass für richtige Entscheidungen - erkenne wann es manipuliert wird! - Mind Redesign

Kommentar verfassen